Obwohl die Reaktivierung mehrerer stillgelegter Bahnstrecken im Saarland längst beschlossen ist, gibt es weiterhin keinen konkreten Zeitplan für den Start der Planungen. Das wurde in einer öffentlichen Sitzung des Verkehrsausschusses in Schmelz deutlich. [1] Die Saar-Grünen zeigen sich besorgt über die anhaltende Unklarheit und fordern ein entschlosseneres Vorgehen der Landesregierung.
„Seit Monaten hören wir, dass reaktiviert werden soll, aber nicht wann“, kritisiert Hanko Zachow, Generalsekretär der Grünen im Saarland. „Für die Menschen im Primstal, im Rossel- oder im Bisttal ist das keine abstrakte Debatte, sondern eine Frage von Mobilität, Klimaschutz und gleichwertigen Lebensverhältnissen.“ Nach Angaben des Verkehrsministeriums haben Bahnreaktivierungen bei der DB Infrago derzeit offenbar keine Priorität. Stattdessen binden Generalsanierungen und andere Großprojekte die bestehenden Kapazitäten. Zwar sei es sinnvoll, vorhandene Streckenabschnitte schrittweise zu ertüchtigen, doch ersetze das keinen verbindlichen Fahrplan für das Reaktivierungsprojekt.
„Wenn selbst nach dem Ministerratsbeschluss keine verlässliche Perspektive entsteht und von 12 bis 15 Jahren bis zur Wiederaufnahme des Betriebs die Rede ist, dann läuft etwas grundsätzlich schief“, so Zachow weiter. „Eine Verkehrswende, die diesen Namen verdient, darf nicht im Schneckentempo vorankommen.“ Die Saar-Grünen fordern die Landesregierung auf, den Druck auf die Deutsche Bahn zu erhöhen, zusätzliche Planungskapazitäten einzufordern und parallel landeseigene Handlungsspielräume konsequent zu nutzen und die nächsten Planungsschritte in Landeshand vorzubereiten.
Insbesondere dort, wo, wie auf Teilen der Rosseltalbahn und der Primstalbahn, eine Reaktivierung im Bestand und damit rechtlich vereinfachte Verfahren möglich sind, müsse schneller gehandelt werden. Der vom Ministerium vorgestellte Stufenplan, nach dem zunächst die Illtalbahn für mehr Begegnungsverkehr ertüchtigt werden soll, ohne dass klar ist, wann bei der komplexen Planung zwischen Lebach-Jabach und Nalbach-Körprich baurechtliche Voraussetzungen geschaffen werden können, ist hier nicht nachvollziehbar. „Bahnreaktivierungen sind Klimaschutzprojekte und Strukturpolitik zugleich“, so Zachow abschließend. „Wer sie auf die lange Bank schiebt, verspielt Vertrauen und wertvolle Zeit im Kampf gegen die Klimakrise.“
[1] https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/bahn_reaktivierung_saarland_kein_zeitplan_100.html