Die Saar-Grünen begrüßen, dass Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot die Übergänge im Bildungssystem stärker in den Mittelpunkt rücken will. Der Ausbau von „Startklar Deutsch“, das „Matheband“ oder weitere Förderangebote seien richtige Ansätze. Vereinzelte Programme und Modellprojekte reichten angesichts der Herausforderungen jedoch nicht aus.
Dazu erklärt Volker Morbe, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Saar: „Dass im vergangenen Schuljahr mehr als tausend junge Menschen die Schule ohne Schulabschluss verlassen haben, muss für die Landesregierung ein bildungspolitisches Alarmsignal sein. Wir müssen deutlich früher ansetzen. Einige wenige zusätzliche Förderprogramme werden den Bedarfen weder in der Breite noch in der Tiefe gerecht.“
Die Saar-Grünen fordern deshalb eine verbindliche und systematische Förderung bereits vor dem Schuleintritt. Dazu gehöre ein verbindliches Vorschuljahr für Kinder mit festgestelltem Förderbedarf. Andere Länder wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hätten sich bereits auf den Weg gemacht, die verbindliche Förderung vor der Einschulung zu stärken.
„Dass der Entwicklungs- und Förderbedarf von Kindern künftig rechtzeitig vor dem Schuleintritt festgestellt werden soll, ist richtig. Aus der Feststellung muss aber auch eine verlässliche Förderung folgen. Dabei dürfen wir nicht allein auf die Sprache schauen. Auch mathematische Vorläuferfähigkeiten sowie motorische, soziale und emotionale Kompetenzen müssen berücksichtigt werden“, so Morbe.
Auch gegen zunehmende Schulabstinenz müsse frühzeitig vorgegangen werden, bevor sich Fehlzeiten verfestigten und Bildungswege abbrächen. Dafür brauche es neben individueller Beratung multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe und weiteren Fachkräften.
Grundsätzlich fordern die Saar-Grünen eine stärker evidenzbasierte Bildungspolitik. Maßnahmen müssten sich daran orientieren, was nachweislich wirkt. Dazu brauche es klare Ziele und eine kontinuierliche wissenschaftliche Evaluation. Erfolgreiche Ansätze müssten in die Fläche gebracht und Maßnahmen ohne ausreichende Wirkung angepasst oder beendet werden.
„Wir brauchen weniger Bildungspolitik nach dem Prinzip Hoffnung und mehr Entscheidungen auf Grundlage belastbarer Erkenntnisse. Wir müssen wissen, wo Kinder Unterstützung benötigen und welche Maßnahmen tatsächlich wirken. Kein Kind darf an den Übergängen unseres Bildungssystems verloren gehen. Wer Bildungsgerechtigkeit ernst meint, muss Förderung frühzeitig, verbindlich und verlässlich organisieren“, so Morbe abschließend.