Saar-Grüne zu neuem Nutzungskonzept für Altes Finanzamt: Richtige Entscheidung, aber Nachholbedarf bei Beteiligung

Der Landesverband der Saar-Grünen und der Kreisverband Saarbrücken von Bündnis 90/Die Grünen begrüßen die Entscheidung, das ehemalige Finanzamt in der Saarbrücker Innenstadt nicht abzureißen, sondern denkmalgerecht zu sanieren und weiterzuentwickeln. Mit dem nun ausgewählten Konzept „Le 52“ von Peter Gross Bau bleibt die äußere Gestalt des Gebäudes weitgehend erhalten. Ein wichtiger Erfolg für Denkmalschutz und nachhaltige Stadtentwicklung.

„Diese Entscheidung zeigt, dass laute und beharrliche Kritik Wirkung entfalten kann“, erklärt Anne Lahoda, stellvertretende Landesvorsitzende der Saar-Grünen. „Zahlreiche Fachverbände, Initiativen und auch wir Grüne haben früh deutlich gemacht, dass ein Abriss dieses prägenden Gebäudes ein städtebaulicher Fehler gewesen wäre. Dass nun ein Erhalt möglich wird, ist ausdrücklich zu begrüßen.“

Noch im vergangenen Jahr hatten die Grünen das Ausschreibungsverfahren scharf kritisiert und einen klaren politischen Rahmen für die Entwicklung des Areals gefordert. Insbesondere die ursprünglich mögliche Abrisslösung hatte gezeigt, wie sehr wirtschaftliche Interessen zeitweise über den Schutz des baulichen Erbes gestellt wurden.

„Der jetzige Ausgang bestätigt unsere damalige Position. Öffentliche Grundstücke brauchen klare Leitplanken im Sinne des Gemeinwohls“, ergänzt Lea Kaschek, Vorsitzende des Grünen Kreisverbands Saarbrücken. „Dass sich am Ende ein Konzept durchgesetzt hat, das Denkmalschutz, Nutzungsmischung und städtebauliche Qualität verbindet, ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn er früher und entschlossener hätte gegangen werden können.“

Gleichzeitig sehen die Grünen die geplante starke Ausrichtung auf Büroflächen kritisch. Eine nachhaltige Quartiersentwicklung muss mehr sein als die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze. Gerade an einem so zentralen Standort braucht es Nutzungskonzepte, die öffentliche Zugänglichkeit fördern und einen echten Mehrwert für das umliegende Quartier schaffen. „Der Erhalt des Alten Finanzamts darf kein Einzelfall bleiben“, so Kaschek abschließend. „Saarbrücken braucht eine Stadtentwicklung, die Bestand schützt, Klima und Ressourcen ernst nimmt und die Menschen dieser Stadt frühzeitig und verbindlich beteiligt. Beim Alten Finanzamt ist diese Beteiligung über weite Strecken ausgeblieben. Entscheidungen wurden hinter verschlossenen Türen vorbereitet, statt offen mit der Stadtgesellschaft diskutiert zu werden. Der gestrige Beschluss kann nur dann ein echtes Signal sein, wenn Stadt und Land daraus lernen und künftig Transparenz, Mitwirkung und Gemeinwohlorientierung von Beginn an zur Voraussetzung machen.“