Im Saarland steigen die Schülerzahlen an Förderschulen stark an, und die Kapazitäten sind vielerorts bereits erschöpft. [1] Für Volker Morbe, Landesvorsitzenden der Saar-Grünen, ist das ein deutliches Warnsignal. Doch der einfache Ausbau von Förderschulplätzen ist keine Lösung.
„Wenn Förderschulen überfüllt sind, zeigt das, wie dramatisch die Gesamtsituation ist. Wir sehen hier nur die Spitze des Eisbergs. Der Anteil der Erziehungsberechtigten, die sich für eine Umschulung an eine Förderschule entscheiden, ist weiterhin vergleichsweise gering, und dennoch sind viele Förderschulen überlastet. Das verdeutlicht, wie groß der tatsächliche Unterstützungsbedarf ist“, so Morbe. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Förderbedarf nehme, auch an den Regelschulen, insgesamt deutlich zu.
„Es reicht nicht, ausschließlich über Förderschulen zu sprechen oder den Eindruck zu erwecken, mit mehr Förderschulen ließen sich diese gesellschaftlichen Herausforderungen lösen. Wir sprechen uns klar dafür aus, am Prinzip der inklusiven Bildung festzuhalten. Gute Inklusion funktioniert, aber sie braucht die richtigen Rahmenbedingungen. Wenn wir hier gezielt investieren, reduzieren wir auch den Druck auf die Förderschulen, ohne dauerhaft auf immer mehr Kapazitäten angewiesen zu sein.“
Gleichzeitig betont Morbe die weiterhin wichtige Rolle der Förderschulen: „Insbesondere in den Förderbereichen geistige Entwicklung sowie körperliche und motorische Entwicklung erfüllen Förderschulen eine zentrale Funktion, da Regelschulen diese Bedarfe aufgrund begrenzter personeller und räumlicher Ressourcen häufig nicht ausreichend abdecken können. Die geplante Förderschulverordnung bewerten wir als grundsätzlich notwendig, jedoch unzureichend als alleinige Maßnahme. Eine Modernisierung der Regelungen und eine flexiblere Zuordnung von Förderbedarfen sind überfällig. Aber eine Verordnung, die vor allem die Zuweisung von Schüler:innen neu regelt, ist nicht mehr als ein erster Schritt.“
Stattdessen fordert Morbe ein umfassendes Maßnahmenpaket. Dazu gehören der Ausbau multiprofessioneller Teams an Schulen, also von Sozialarbeiter:innen, Schulpsycholog:innen und therapeutischen Fachkräften, deutlich mehr Therapieplätze, stärkere Unterstützungsangebote für Familien sowie frühzeitige Hilfen bereits im Vorschulalter. Außerdem fordert Morbe den konsequenten Ausbau gebundener Ganztagsschulen und außerschulischer Unterstützungssysteme: „Die Strukturen innerhalb und außerhalb der Schulen müssen so gestaltet werden, dass allen Kindern und Jugendlichen, unabhängig davon, ob sie inklusiv beschult werden oder eine Förderschule besuchen, wirksam geholfen werden kann.“