Zum drohenden Aus der Ostertalbahn [1] erklärt Hanko Zachow, Generalsekretär der Saar-Grünen:
„Die Entwicklung der Ostertalbahn zeigt, dass sich jahrelange Versäumnisse der Landesregierung rächen. Statt rechtzeitig tragfähige Konzepte für die Zukunft der beiden saarländischen Museumseisenbahnen zu entwickeln, hat die Landesregierung deren Erhalt weitgehend dem Engagement Ehrenamtlicher überlassen. Mit viel Herzblut haben die Aktiven der Ostertalbahn und der Museumsbahn Losheim über Jahrzehnte ein einzigartiges technisches und kulturelles Erbe bewahrt. Dieses Engagement verdient Anerkennung und politische Unterstützung. Beides ist jedoch weitgehend ausgeblieben.
Die Museumseisenbahnen spielen im Tourismuskonzept des Saarlandes praktisch keine Rolle. Dabei sind historische Bahnstrecken vielerorts wichtige touristische Anziehungspunkte und tragen zur regionalen Wertschöpfung bei. Dass dieses Potenzial im Saarland nicht systematisch genutzt wurde, ist ein strategischer Fehler. Die angekündigten Investitionen in den KNDS-Standort begrüßen wir ausdrücklich. Gerade deshalb muss es gelingen, industrielle Entwicklung und den Erhalt wichtiger Infrastruktur zusammenzudenken. Wer den Menschen vermittelt, dass für neue Rüstungsstandorte kulturelles Erbe und touristische Angebote einfach geopfert werden, verspielt die notwendige Akzeptanz für diese Investitionen.
Mit dem Ausbau des Standorts entstehen neue Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur. Von der regierenden SPD hätten wir erwartet, diese Entwicklung frühzeitig mitzudenken und die Chancen für die Region zu analysieren. Warum hat die Landesregierung bislang keine Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Strecke angestoßen? Welche Rolle könnte die Schiene künftig für Pendler- und Güterverkehr spielen? Statt diese Fragen vorausschauend zu untersuchen, hat das Mobilitätsministerium eine langfristige Entwicklung der Strecke versäumt. Moderne Verkehrspolitik bedeutet, Infrastruktur langfristig zu denken und Entwicklungschancen frühzeitig zu erkennen.
Die Saar-Grünen fordern die Landesregierung deshalb auf, gemeinsam mit Kommunen, Bahnvereinen und den wirtschaftlichen Akteur:innen der Region umgehend ein Zukunftskonzept für die Strecke zu erarbeiten. Dabei müssen die touristische Nutzung als Museumseisenbahn ebenso wie Perspektiven für den Personen- und Güterverkehr ergebnisoffen geprüft werden. Die Ostertalbahn ist mehr als ein Hobbyprojekt. Sie ist Teil der saarländischen Verkehrsgeschichte und kann ein Baustein nachhaltiger Mobilitäts- und Regionalentwicklung sein.“