Volker Morbe, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Saar, sieht in der von der VSU geforderten landesweiten Fachkräfte- und Bildungsagenda mit klaren Zielsetzungen und Qualitätsstandards eine angemessene Antwort auf die Bildungsmisere hierzulande. Gleichzeitig stellt sie mit der Forderung, in der Bildungspolitik deutlich nachzusteuern und insbesondere grundlegende Fähigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen zu stärken, einen wichtigen Impuls für die Politik, die Wirtschaft und die jungen Menschen im Saarland dar. Nach Überzeugung der Grünen müssten möglichst alle politischen Parteien und die Bildungsverbände das Projekt der hierzulande dringend einzuführenden datengestützten Unterrichts- und Schulentwicklung mit regelmäßigen Lernstandserhebungen und darauf basierenden verstärkten Fördermaßnahmen unterstützen, um die Zukunftschancen im Saarland zu verbessern.
Volker Morbe: „Die vom VSU in der Studie erfassten Defizite von vielen Bewerber:innen für duale Ausbildungen bei den Grundfähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen belegen die Folgen unzureichenden Lernens insbesondere an Grund- und Gemeinschaftsschulen. Sie bestätigen auch die Meldungen über einen im Ländervergleich überproportional starken Rückgang der für die Ausbildungsreife notwendigen Kompetenzen an saarländischen Schulen, die das IQB, das Qualitätsinstitut der Kultusministerkonferenz, seit vielen Jahren liefert. Das bei immer mehr Schüler:innen unzureichende Lernen hat dramatische Folgen sowohl für die jungen Menschen wie die Betriebe.“
Zu den Folgen zählen auch immer mehr abgebrochene Ausbildungen und Schüler:innen, die die Schule ohne Abschluss verlassen. In keinem anderen Bundesland hat sich der Anteil letzterer so negativ entwickelt wie im Saarland. Die Quote der Schüler:innen ohne Schulabschluss hat sich von 2015 bis 2024 in Deutschland insgesamt um 26 % erhöht, im Saarland um 119 %, die mit großem Abstand höchste Quote aller Länder!
Für die betroffenen Schüler:innen heißt dies: Hätten die 911 hiesigen Jugendlichen ohne Schulabschluss in Baden-Württemberg oder in Hamburg statt im Saarland KITA und Schule besucht, hätten mehr als 300 von ihnen einen Abschluss erreicht! Diese große Zahl von Einzelschicksalen verweist drastisch auf das wachsende Versagen der saarländischen Bildungspolitik, vor allem in den letzten 10 Jahren. Hunderten von jungen Menschen werden jährlich Ausbildungsreife und damit Lebenschancen nachhaltig vorenthalten!
„Hamburg seit Langem und Baden-Württemberg seit ein paar Jahren machen es vor: Sie haben mit verbesserter Personalausstattung und mit einer systematischen, datengestützten Qualitätsentwicklung und entsprechenden Qualitätsinstituten erfolgreich die Basis geschaffen, um die Bildung aller Schüler:innen zielgerichtet weiterzuentwickeln. Immer mit dem klaren Ziel, die Potenziale der Schüler:innen zu entfalten und damit ihre Leistungen zu verbessern. Sozial- und Lerndaten werden genutzt, um Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen, die Wirksamkeit von Maßnahmen wissenschaftlich zu überprüfen und Schüler:innen gezielter zu fördern. Wir Grüne fordern seit mehr als 5 Jahren eine solche an den Lernergebnissen der Schüler:innen orientierte Steuerung der Bildungspolitik auch im Saarland. Wir freuen uns sehr, dass nach der Arbeitskammer 2025 und mehreren Lehrer:innenverbänden nun auch die VSU als ein ganz wichtiger Akteur das Vorhaben unterstützt. Dass das Bildungsministerium bis heute keine wirkliche Bildungsmonitoring-Maßnahme durchgeführt hat und anscheinend über keine diesbezügliche Expertise verfügt, erhöht die Dringlichkeit unserer Forderung,“ so Morbe.
Vor diesem Hintergrund appellieren die Saar-Grünen an alle Parteien und Verbände, schon vor der Landtagswahl eine erfolgversprechende neue Bildungssteuerung für das Saarland zu unterstützen und einzufordern.